Ideenwerkstatt zur Zukunft des Gemeindehauses der Stadtkirche
Hinterm Bauzaun am Evangelischen Gemeindehaus der Stadtkirche in Rüsselsheim werden Pläne geschmiedet. Pfarrerin Annette Mehlhorn ist mit den ersten Ergebnissen der Gesprächsreihe unter der Überschrift „Suchet der Stadt Bestes“ zufrieden. Sie freut sich besonders darüber, dass die notwendige Entwicklung der Innenstadt neue Aufmerksamkeit bekommen hat. „In Verwaltung, Politik und Bürgerschaft ist das Bewusstsein gewachsen, dass Stadtentwicklung zu einem entscheidenden Teil in der City beginnt.“ – fasst sie das Ergebnis der Gespräche und Expertenbefragungen zusammen. Auch Volkhard Guth, Beauftragter für Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Dekanats betont als Mitveranstalter der Reihe diese Einsicht: „Das Stadtleben in Rüsselsheim braucht eine Innenstadt, in der sich ihre Bürger und Bürgerinnen versammeln und begegnen können.“ Dass könne, so ein weiteres Fazit, nicht alleine durch den Ausbau des Waren- und Einkaufsangebots geleistet werden. Vielmehr werden möglichst viele Einrichtungen und Orte benötigt, die Bürger mit unterschiedlichen Anliegen in die Innenstadt locken. Die Evangelische Kirche möchte hierzu einen Beitrag leisten. Laut nachgedacht wird inzwischen über ein „Haus der Kirche“ in der Marktstraße 7. In einem solchen Haus würde sich zum Einen die zentrale Anlaufstelle des Evangelischen Dekanats Rüsselsheim befinden. Dieses nimmt Verwaltungsaufgaben wahr und gestaltet das inhaltliche Profil der Evangelischen Kirche in der Region zwischen Mainz- Amöneburg und Kelsterbach. Seine Aufgaben wären in den oberen Geschossen des Hauses zusammengefasst. Daneben hätten weitere kirchliche Einrichtungen wie das Diakonische Werk mit Sekretariats- und Beratungsstellen darin Platz.
Die entscheidende Frage im Blick auf ein neues Konzept am Ort stellt sich angesichts der Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Hier wünschen sich die Vertreter von Dekanat und Kirchengemeinde ein offenes Angebot für die Bürger und Bürgerinnen der Stadt. Dieses soll sich nicht nur an Menschen evangelischen Glaubens richten. „Ein zentrales kirchliches Anliegen war es schon immer, Räume der Begegnung zu öffnen.“ – kommentiert Mehlhorn. Dafür scheint ein Café oder eine andere gastronomische Einrichtung besonders geeignet. Doch mit dieser Feststellung beginnen weitere Fragen: Würde solch ein Café durch einen privaten Pächter oder einen gemeinnützigen Träger (z.B. eine Beschäftigungsgesellschaft) betrieben? Welches kulturelle oder soziale Angebot gäbe es darüber hinaus? Auch über einen – wie auch immer gearteten – „Laden“ wird nachgedacht.
Um diesen Fragen nachzugehen, hat der Kirchenvorstand der Stadtkirchengemeinde am vergangenen Montag Menschen unterschiedlicher Herkunft und Interessenslage zu einem „Welt-Café“ eingeladen. In einer dreistündigen Ideenwerkstatt durfte zu unterschiedlichen Fragen rund um das Haus ohne Hemmung gesponnen und phantasiert werden: Welche Partner könnten an einer gemeinsamen Nutzung der Räume interessiert sein? Wie könnten Gestaltung, Programm, organisatorische Struktur des Hauses aussehen? Welche Finanzierungsmöglichkeiten sind vorstellbar? Herausgekommen ist ein bunter Strauß an Ideen, die nun auf ihre Umsetzbarkeit überprüft werden müssen. Näheres verraten will Mehlhorn darüber noch nicht. „Auf jeden Fall waren auch ganz verrückte Vorschläge dabei – wie zum Beispiel die Einrichtung eines Fitnesscenters“.
Kurt Hohmann, verantwortlicher Dekan der regionalen Kirchenleitung sieht den Plänen mit Spannung und Erwartung entgegen. Ein neues Bild von Kirche für die Welt der Zukunft lasse sich in den Entwicklungen rund um das Haus der Kirche erkennen. „In unserer Region zeigen sich die gegenwärtigen gesellschaftlichen Umbrüche besonders deutlich. Dadurch steht die Evangelische Kirche vor völlig neuen Aufgaben. Diesem Auftrag muss sie sich stellen.“ Auch Egon Christ, Präses des Evangelischen Dekanats hat längst Feuer gefangen. Mit wachsender Begeisterung war er an der Ideenwerkstatt im Welt-Café beteiligt. „Jetzt gilt es, die anderen Kirchengemeinden der Stadt für die Idee zu gewinnen.“